Philipp Weber. Bester Job: Seiner - Bester Horizont: Die Kinoleinwand

Eigentlich möchte man Philipp Weber überreden, dass er seinen Job kündigen möge. Und zwar deswegen, weil sich die Beschreibung seiner Arbeit schlichtweg anhört wie ein Traum. Ich habe Philipp Weber das letzte Mal im Gymnasium gesehen - als er ein paar Jahre vor mir den Abschluss machte. Ich wusste nicht, dass ich jetzt mit ihm sprechen würde und er plötzlich einen der besten Jobs der Stadt haben würde. Wie gehe ich also galant damit um, dass ich ihn beneide? Ich flechte einen lustigen „Wo kann ich anfangen?“-Satz ein. Vergeblich. Auch, wenn man ihn direkt fragt, wo man denn seinen Lebenslauf abgeben könnte, Philipp ist Profi und geht nicht auf eventuelle Bewerbungs-Avancen ein.

Vielleicht auch, weil Philipp Weber genau weiß, wie anstrengend es wirklich sein kann tagelang und wochenlang Filme anzuschauen. Ja, genau. Das ist der attraktive Job. Gut, oder?

Nein, Philipp ist nicht professioneller Film-Sichter. Zumindest nicht nur. Aber ein großer Teil seines Jobs beim Arbeitskreis Film ist es eben, Material für die Kurzfilmwoche zu sichten und Filmen ins vorführbare Format zu verhelfen und die Vereinfachung von Arbeitsprozessen, die vom Filmsichten abhalten. Dazu kommt dann auch noch Fundraising, Konzeptentwicklung und Planungen des Rahmenprogramms der Kurzfilmwoche, aber gut, ein wenig Schwund ist immer.

Und ansonsten darf Philipp Filme für die Kurzfilmwoche sichten und für AKF-Festivals konvertieren: Derzeit für das nächste anstehende QUEER-Streifen Filmfestival, die Halloween-Filmvorführung in der Filmgalerie und natürlich jetzt aktuell für PUSH2… ein Traum. Ok. Ich höre jetzt auf damit.

Halten wir mal fest: Philipp sitzt fest im Sattel des Arbeitskreises Film und kennt sich in der bayerischen Kurzfilm-Landschaft wohl aus, wie vielleicht sonst nur seine Kollegin Insa Wiese, die auch im Vorstand des Verbands Bayerischer Filmfestivals e.V. sitzt.

Und weil Philipp eben von Kopf bis Fuß auf Bewegtbild eingestellt ist, hat er für das Regensburg Popkultur-Festival gleich noch diverse Schmankerl rausgesucht. Mit „Kurz und knackig“ stellte er ein Programm aus acht Kurzfilmen zusammen, das sowohl regional als auch musikalisch ist - dazu noch Preisträger der letzten Kurzfilmwochen. Schön schräg. In der „extended“ Version des Programms am Sonntag werden auch noch die Filme gezeigt, die beim „Sweded Movies“-Workshop entstehen.

„Sweded Movies zu drehen ist der Hammer“, verspricht Philipp. Diese kurzen Filme basieren auf einem Lieblingsfilm. Der wird mit Hilfe eines bestimmten Regelwerks noch einmal neu selbst gefilmt. „Das Gute an diesem Prinzip ist auch, dass die Hürde zum Selbstfilmen hier wirklich niedrig ist. Dazu wird mit Handys gefilmt, es muss kein Equipment geliehen werden - das ist alles sehr einfach“, erklärt Philipp.

Mit „Sharkula“, dem HARD:LINE-Publikumsliebling (Obacht: FSK 18) und „Kommando Shakespeare“ gibt es bei PUSH2 auch drei Langfilme, dazu eine Werkschau junger Regensburger Filmemacher. Ein modernes, schräges und regional-verliebtes Programm.

Philipp Weber selbst, der Mann mit einem der besten Berufe der Stadt, ist möglichst bei jedem Film-Programmpunkt vor Ort, will sich jedoch auch selbst noch auf PUSH2 umsehen. „Mich interessieren auch die Workshops zum Thema Musik - ich hoffe, dass ich es zu einem der Termine schaffe. Das Festival ist einfach ein perfekter Ort um den eigenen Horizont ein wenig zu erweitern!“ Und das kommt von jemandem, der so oft er will auf den wohl weitesten Horizont schauen kann, den es gibt: die Kino-Leinwand.

Dann muss es wohl so sein. PUSH2 - Das Weitwinkelobjektiv unter den Festivals. Auch dank Programm-Machern wie Philipp.

Philipp Weber stammt aus Regensburg. Nach dem Abitur machte er eine Ausbildung bei einem regionalen Fernsehsender und studierte dann Medienwissenschaft an der Uni Potsdam. Dass ihn die Arbeit wieder in seine Heimatstadt zurückbringen würde, hat den Bewegtbildfreund überrascht - aber nicht enttäuscht.