Sigurd Roscher - Am liebsten macht er Schabernack

Wenn man Sigurd Roscher so beim Sigurd-Roscher-Sein beobachtet, dann kommt es oft vor, dass man ganz kurze Flashbacks in die Vergangenheit hat. In die Kindheit. Denn regt „Siggi“ sich auf, dann tut er das in einer Art die sehr stark an den Pumuckl erinnert, an Gezeter aus den Untiefen von Sägespänen einer Hinterhof-Werkstatt im Lehel. Doch nicht nur in seinem geliebten Grant ist Siggi leicht koboldiesk, er ist auch genau, umsichtig, umtriebig und hat auch immer einen gewollt polarisierenden Kommentar zur Lage der Dinge parat.

Nur unsichtbar kann sich Sigurd Roscher sehr schwer machen, denn er ist präsent. Wenn im Raum, schwer wegzuleugnen und außerdem hinterlässt er immer irgendetwas - Früher Graffiti oder Street Art, heute eher Konzepte, Design und Kunst. Was Sigurd auf jeden Fall hinterlässt, ist Eindruck. Nonstop.

Und natürlich wird Sigurd auch im Rahmen von PUSH2 etwas hinterlassen, er kann ja gar nicht anders, und überhaupt wäre das Gespräch über die örtliche Popkultur ohne die Nennung seines Namens nicht komplett.

Nicht zum ersten Mal arbeitet er mit Vincent Pollak (Atelier Farbenblind) zusammen. Auch ein Pumuckl? Nein. Die beiden Künstler könnten vom Wesen her verschiedener nicht sein! Vincent Pollak ist ein ruhiger Zeitgenosse, zurückgenommen und in der Stille wirkend. Was beide gemeinsam haben, ist ihr stetiges Schaffen und Werkeln - ob in der Hinterhof-Werkstatt-Atmosphäre des KunstvereinGRAZ oder eben bei PUSH. Sie bauen, werkeln, machen, malen,..

Wenn ein stiller und ein lauter Kobold zusammenkommen, dann denken sie natürlich groß. Warum sollte man sich mit einer kleinen Installation begnügen, wenn man doch gleich einen zentralen Platz Regensburgs bespielen kann? Und was gebaut wird? Natürlich keine Skulptur! Nein, warum auch? Es sollte gleich eine Kleinstadt sein, bitte. Und warum sollte man es nicht aus Pappe machen? Vielleicht Pappe von Warenkartons? Upcycling? Recycling? DIY? Oh ja, das ist eine hervorragende Idee - genau richtig für die beiden.

Und so kommt es jetzt, dass Vincent und Sigurd am Samstag um 10 Uhr erstmal Warenkartons der Geschäfte einsammeln, die an den Viereimerplatz grenzen. Ja, um 10 Uhr, denn bei den beiden Kobolden kann man sich sicher sein, dass sie pünktlich sein werden. Nachdem die Geschäfte also um ihr Altpapier erleichtert wurden, werden die beiden ein Haus aus den Kartons bauen. Und dieses Haus bemalen sie dann schließlich am Samstag und Sonntag. „Wir machen da unsere eigene Wall of Fame!“, erklärt Sigurd - und klar, das passt! Think big, Oida!

Und wenn es regnet? Und wenn ein Hund das Haus markiert? „Für uns ist es auch wichtig zu sehen, wie das Haus so geformt wird, durch die natürliche Witterung der Stadt! Wenns schüttet wie aus Kübeln, bleiben wir natürlich daheim. Wird es aber nicht!“ Dieser Sigurd Roscher scheint sich seiner Sache sehr sicher zu sein. Aber logisch - Kobolde haben überall hin Verbindungen - er kann das sicherlich alles klar machen: Wetter, Witterung, …

Was natürlich nicht vergessen werden darf ist, dass nach dem Recyceln, dem Bauen, dem kreativen Prozess, dem Malen dann natürlich auch das kommt, was den beiden Kobolden am meisten Spaß macht. Schabernack. „Am Sonntag am Abend reißen wir das Ganze dann wieder ein und machen es kaputt!“

Das wird sehenswert!

 

Der Kommunikations-Designer Sigurd Roscher (Jahrgang 1978) absolvierte 2003 an der FH Würzburg-Schweinfurt den Diplomstudiengang Kommunikationsdesign. Er lebt und arbeitet als selbstständiger Designer und Künstler in und um Regensburg. Seine Begeisterung für Form und Farbe begann in der Jugend mit Graffiti, wurde ergänzt durch Kurse in klassischer Malerei und ausgereift während dem Studium durch cleanes Design. In seinen freien Arbeiten mischt er Gelerntes und experimentiert mit unterschiedlichen Materialien. Seine Bilder pieksen manchmal, einige grunzen und manche verhalten sich auffällig.

Der Künstler Vincent Pollak (Jahrgang 1991) studiert gegenwärtig an der Universität Regensburg Bildende Kunst und Ästhetische Bildung und Politikwissenschaft. Neben dem Studium arbeitet er als freischaffender Künstler in Regensburg.
Seit 2014 ist er Mitglied im Kunstverein Graz und Mitorganistor der jährlichen Neugestaltung der 24h-galerie am Dultplatz. Ursprünglich aus dem Graffiti kommend sind davon nur das Medium Sprühdose und Marker geblieben. In seiner aktuellen Serie „Kopfgeburt“ setzt er sich mit den Ursachen für das eigene künstlerische Schaffen auseinander.