Swus - Fotograf aus Leidenschaft

Ich habe wegen Swus schon scheinbar unscheinbare Menschen ausfallend werden sehen. Wenn er seine Bilder gezeigt hat, gab es Aufschreie, Vorwürfe eines postpubertären Habitus und natürlich das übliche selbstgefällige Ekeln, das man so kennt.

Kennt ihr nicht?

Also, normalerweise läuft das in dieser Abfolge: Bild sehen - Gesicht zu einer besonders auffälligen Grimasse verziehen (um das Disagreement vollkommen klar zu machen), sich dann möglichst genervt abwenden und dabei checken, ob das Umfeld das auch gerade gemacht hat, oder ob man der einzige Spießer ist. Und dann weggehen, Star-News googlen, Thermomix-Rezepte austauschen,…ihr kennt das.

Martin Kufieta - wie Swus eigentlich heißt - ist Fotograf mit einer ganz eigenen und klar definierten Ästhetik. Viele vergessen das. Kann man auch mal vergessen, wenn Swus um die Ecke biegt, ein Fear-and-Loathing-in-Las-Vegas-Gedächtnis-Hemd trägt und durch seine gefühlt 5 cm dicken Brillengläser amüsiert in die Welt schaut.

Aber es ist so. Er ist Fotograf aus Leidenschaft. Weil er irgendwie muss. Vermutlich ist er schon mit der Kamera in den Händen in der Grundschule gesessen. Und das pikierte Ekeln einiger Damen und Herren erzeugt bei ihm nur ein Schulterzucken. Er ist im Post-Schock-Zeitalter angekommen. Er zeigt, er will nicht schocken. Doch er wird auch zunehmend braver. Schon sein Instagram-Account (@swusone) spricht Bände. Irgendwie erinnert er an die Reportagen eines Zeitreisenden in die 90er-Jahre. Minimalistischer Antistyle? Könnte sein. Swus halt.

Momentan tummelt sich Swus an der Nürnberger Akademie der Bildenden Künste. Er geht aus seiner Komfortzone Fotografie heraus, baut, konzipiert. Bei seiner letzten Ausstellung, zusammen mit dem Regensburger Matthias Brandl, stellten die Künstler nur verschiedene Settings zur Verfügung, die ihrer Foto-Ästhetik entsprach. Die Besucher der Ausstellung konnten dann selbst entscheiden, ob sie in den Settings Fotos machen wollten und wie. Letztlich machten Swus und Matthias kein einziges Bild selbst, dafür gab es 200 Posts der Zuschauer unter dem Hashtag der Ausstellung #ShootItOrLeaveIt .

„Ich arbeite wahnsinnig gerne mit Matthias zusammen. Man denkt ja immer, man hat selbst ein ganz spezielles Gefühl für Fotos, aber es ist auch nicht schlimm, wenn das dann gar nicht so einzigartig ist. Matthias und ich haben ein ganz ähnliches visuelles Empfinden, das ist wirklich angenehm bei unseren Projekten!“

Und so entsteht eben eine „Zweisicht“. Bei der Ausstellung, die im Rahmen von PUSH2 in der Galerie Konstantin B. eröffnet wird, gibt es keine Namen neben den Bildern, keinen Hinweis, wer hinter dem jeweiligen Foto steckt. Die Bilder sind auch scheinbar wahllos verteilt - es gibt keine Ecken für jeden Künstler, keine thematische Zuordnung. Zweisicht, eben. Oder wie Swus es sagt: „Wir wollen Banalitäten auf eine höhere Ebene bringen!“

Ob wieder ein Aufreger dabei ist? Man weiß es nicht… Aber gute Fotos sind garantiert dabei.

Martin Kufieta ist 1992 in Donaustauf geboren und besuchte in Regensburg und Straubing die Schule. Nach einem Jahr in seiner zweiten Heimat Polen begann er ein Studium an der Nürnberger Akademie der Künste.